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Laudatio zur Promotionsfeier von Stefan Schimpf

Mittwoch, 30. Juli 1997

verfasst und vorgetragen von Bernhard Ziegler


Lieber Stefan, sehr geehrte Spektabilität, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Da ich eine Lobrede zur Feier einer erfolgreichen Promotion nicht mit "Aus dem Leben eines Taugenichts" überschreiben kann, stelle ich sie unter das Motto: "Aus Dichtung und Wahrheit".

Die letzten Nächte saß ich allein
unter der Lampen leuchtendem Schein.
Zu Stefans Feier fiel mir nichts ein.
Am Tisch fixiert' ich das weiße Blatt,
den Ranzen voll, vom Essen satt,
das Fleisch war willig, der Geist war matt.
Und plötzlich standen um mich herum
die lieben Kollegen, ernst und stumm,
mit höhnischen Augen: "Wie bist du dumm."

Da griff ich zum Kuli in jüdischer Hast,
hab' Zeile um Zeile in Eile verfasst.
Es jagte der Kuli, es jagte das Herz,
es jagte der Puls, ein stechender Schmerz.
Da war es vollendet, ich freute mich sehr,
doch's Papier auf dem Tische war immer noch leer.

Auf dem Titelblatt von Stefans Arbeit steht: "Abhandlung zur Erlangung der Würde ... ". Dabei ist die Würde schon durch Artikel 1 des Grundgesetzes garantiert. Warum macht er sich so viel Mühe etwas zu erlangen, was er bereits verbrieft besitzt? Und genehmigen lassen hat er sich seinen Schmöker von 188 Seiten auch noch. Dabei sichert Artikel 5 unserer Verfassung die Meinungsfreiheit. Noch eine weitere Ungereimtheit ist mir aufgefallen. Da heißt es auf dem Titelblatt: Hauptberichter: Lagally, Mitberichter: Plödereder (auf Angabe von Pfennigbeträgen wie Titel und Vornamen habe ich verzichtet). Richtig hätte es lauten müssen: Hauptmitberichter: Lagally, Mithauptberichter: Plödereder.

Jetzt könnte einer von Euch fragen, warum ich vom Reim zur Prosa übergegangen bin. Zu seinem Glück fragt's keiner, denn er hätte einen Reim zu "Parallele Ausführung von Prologprogrammen auf Transputersystemen" finden müssen. Mit diesem ungetümen Thema wurde Stefan zum Dr. rer. nat., also zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Ich frage mich, warum nicht zum bei Technischen Universitäten viel höher eingeschätzten Dr. ing. Tatsächlich beschäftigt sich seine Dissertation nur am Rande mit Informatik. Der Titel täuscht über die Tatsache hinweg, dass es sich um eine Arbeit aus dem sich jetzt in einer Existenzkrise befindendem Maschinenbau handelt. Die Kapitel fünf bis acht behandeln WAM (we a em: Warrens abstrakte Maschine) und ihre mit Geistesblitzen von Stefan erfundenen stärkeren Varianten P-WAM (P wie parallel) und D-WAM (D wie distributed). Eine Patentschrift hat er beim Europäischen Patentamt in München eingereicht. Parallel dazu hat er eine verteilte Firma Schimpf & Schwing gegründet, um die Maschinen zu vertreiben. Da schon zahlreiche Bestellungen vorliegen, sucht er kapitalkräftige stille Teilhaber, eventuell hier unter den Anwesenden... Über Risiken und Nebenwirkungen gibt er unter der Nummer 377 telefonisch Auskunft.

Zum Glück haben unsere Nachbarn gegenüber diese Maschinen nicht bei ihrem Neu- und Umbau verwendet. Mich haben schon die einfachen Presslufthämmer fast zum Wahnsinn getrieben, als ich an dem Sommertag diesen Jahres die Fenster geöffnet hatte. Wenn ich mir vorstelle, Schimpfs Maschinen hätten dort gearbeitet:
p-wam, d-wam, wam, wam, p-wam, d-wam, wam, wam...

Nach dem ihr jetzt den Wissenschaftler und Geschäftsmann Dr. Schimpf kennengelernt habt, werde ich Euch, ganz im Sinne von Dekan Claus, den Menschen Stefan vorstellen. Er wurde vor einer aus Primfaktoren zusammengesetzten Zahl von Jahren als Urschwabe in Freiberg am Neckar geboren. "Späder hod er - er hod mer nie verrode wie - die Monnemerin Rosi kennegelernt. Des is erschtaunlisch, denn in Monnem werd des Schtuddgada S uf 'm Nummernschild als Sauschwob gelese."

Seit Stefan Mitglied der Abteilung Betriebssysteme ist, hat sich deren Produktivität vervierfacht: 2 Promotionen in 7 statt 1 in 14 Jahren. Wesentlich hat dazu die von Rosi auf Stefan abgefärbte, aus Frankreich in die Kurpfalz übertragene unbeschwerte Lebensart beigetragen. So lockert er unsere Gruppensitzungen gern mit Erzählungen wie diese auf nach dem Motto: Lachen hält gesund und fördert die Innovation. "Kummt e Fraa zum Bega: `Sin die Weg weg?' `Hajo, die sin all all.' `Ei wer war denn do do?'"

Dass ich hier schon wieder vortragen muss, hängt mit dem bekannten IFI-Prinzip zusammen. Wer einmal ein Amt übernommen hat, wird es nie wieder los. Denn macht er's schlecht, dann soll er's beim nächsten mal lernen, und macht er's gut, warum sollte er's abgeben. Nur dem virtuellen Dr. K -- dessen Namen noch immer auf den Displays von Telefonen für Großkopfete erscheint, wenn Stefan anruft, weil es der Geschäftsleitung in Jahren nicht möglich war, diesen Unfug abzustellen -- also nur diesem genialen Menschen ist es als einzigem bisher gelungen, dieses Prinzip zu durchbrechen. Deshalb bin ich noch heute für den Jahresbericht zuständig und gelte aus dem gleichen Grunde, zusammen mit Walter Reuß, als Hofpoet des IFI. Wir fordern die Abteilung Theorie auf, endlich den Gegenbeweis zu liefern.

Der Stefan, jeder sieht's ihm an,
ist ein durch Sport gestählter Mann.
An manchen Tagen, höret gut,
kommt er per Rad in's Institut
nach guter alter Schwabenart,
weil er dadurch das Fahrgeld spart.
Als kluger Mensch legt er's sodann
in einem Saxophone an.

Er hätt' diese Verse mit Tönen geschmückt
und Euch mit seiner Begleitung beglückt.
Doch leider, das ganze haut nicht hin,
weil ich so unmusikalisch bin.

Um Meister zu werden trat Stefan dann
bei einem Rhythmuskurse an.

Durch die Seele rast der Rhythmus,
dass der Körper einfach mit muss,
von den Füßen bis zur Nase
ist befallen von Exstase.

Am andern Tag, ihr glaubt es nicht,
ist seine Seele im Gleichgewicht.
Und in dem Kopfe hat er schon
die Prüfungskoordination.
Es heißt, in stillen Stunden,
hab' die Eintrittskontroll' er erfunden.
Hier stelle ich klar,
dass es Baitinger war.

Naturfreund ist Stefan voller Elan.
Auch der Gewerkschaft gehört er an.
Er hatte als Skilehrer
viel' weibliche Verehrer.
Vor denen flieht mit ach und weh
er schnell zum Boot am Ammersee.
Im Fakultätsrat dann und wann
berät er selbst den Herrn Dekan.
Sein Engagement erstreckt sich gar
hinein in's soziale Hauptseminar.
Sein Thema ist so ausgewählt,
dass mir der Reim zum Reimen fehlt.

Doch endlich habe ich nach Stunden
'nen schlechten doch dazu erfunden.

Informatik und Gesellschaft hat als Motto er erkoren.
Jetzt hab'ich 'nen Vers gefunden, fühle mich wie neu geboren.

Und das Thema voller Pfeffer
für Studenten klar ein Treffer.

Prof. Lagally sagte gar,
"dies war's beste Seminar,
an dem ich je beteiligt war."

Doch eines hat mich sehr betrübt,
dass er den Leistungssport nicht liebt.
Er mag sich nicht nach Regeln schinden,
die andere für ihn erfinden.
Und Kampfgerichten voller Graus
weicht er in weitem Bogen aus.
Nicht mal das gelbe Trikot lockt,
da zeigt er völlig sich verstockt.

Er meint für seinen Schweiß,
wünscht er 'nen bess'ren Preis.

Den hat er jetzt errungen
mit seinem Doktorhut.
Ich hoff' uns ist gelungen,
zu spez'fizieren ihn gut.

Der Verse sind genug gedrechselt.
Bevor der Redner endlich wechselt,
stoßt an mit mir, dem kleinen Pimpf,
auf uns'ren Doktor Stefan Schimpf.

B.Z.

Nachtrag: "Babelfisch" hat übersetzt: "Stefan Insult"!
K.L.
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